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Dr. Michael Paul (CDU/CSU) im Bundestag zum Thema „UAB Gorleben" 06.06.2013
     
Redebeitrag von Dr. Michael Paul (CDU/CSU) am 23.03.2011

TOP ZP 3 Aktuelle Stunde zur Sicherheitsüberprüfung der AKW
98. Sitzung vom 23.03.2011 | 19:00:30 Uhr | Dauer: 00:05:08

Dr. Michael Paul (CDU/CSU):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Vorgänge
in Japan sind ernst. Sie sind sicherlich viel zu
ernst, um daraus ein innenpolitisches Süppchen zu kochen.
Ich sage in aller Ernsthaftigkeit:

(Christian Lange [Backnang] [SPD]: Deshalb
das Moratorium!)

Gerade Sie, meine Damen und Herren von der Linken,
haben in diesem Haus die geringste Berechtigung, über
die Sicherheit der Kernenergie in Deutschland zu sprechen.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)

Schließlich war es die SED – die Partei, aus der Sie hervorgegangen
sind –, die für den Bau von Schrottreaktoren
in Deutschland verantwortlich war.

(Ulrich Kelber [SPD]: Die Ost-CDU war auch dabei!)

Sieben Blöcke sowjetischer Bauart haben Sie in
Deutschland in Betrieb genommen. Alle wurden 1990
wegen Sicherheitsdefiziten vom Netz genommen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch
bei der LINKEN)

Erzählen Sie also den Menschen in diesem Land nichts
von nuklearer Sicherheit!

Meine Damen und Herren von SPD und Grünen, auch
Sie kann ich heute nicht verschonen. Sie haben schon
vor zehn Jahren jede Legitimation verloren, um in Fragen
der Sicherheit ernst genommen zu werden.

(Ute Vogt [SPD]: Wenn man mit dem Finger
auf andere zeigt, dann zeigen drei auf einen zurück!)

Sie wollten mit dem von Herrn Trittin und Herrn
Schröder im Jahr 2001 unterzeichneten Deal,

(Dr. Hermann Ott [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Den Sie bekämpft haben!)

den Sie mit der Industrie geschlossen haben, die deutschen
Kernkraftwerke um bis zu 20 Jahre weiter laufen
lassen. Dabei haben Sie die Sicherheitsanforderungen  
eingefroren, nur damit Ihre industriellen Partner von den
Kosten der Nachrüstung verschont bleiben. Das ist doch
die Wahrheit.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP – Widerspruch beim
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es ist vollkommen richtig, dass wir nach einem solchen
schweren Unfall wie in Japan innehalten, die Erkenntnisse
auswerten und alle Reaktoren in Deutschland
auf den Prüfstand stellen. Dazu werden wir das dreimonatige
Moratorium nutzen. Bei dieser Prüfung kann es
aber aus meiner Sicht nicht nur darum gehen, einzelne
Szenarien, die bisher betrachtet wurden, zahlenmäßig zu
verändern, also beispielsweise statt das stärkste Erdbeben
der letzten 10 000 Jahre nun das stärkste der letzten
100 000 Jahre in Betracht zu ziehen; denn jede Zahl, die
man bei solchen Szenarien einsetzt, ist letztlich willkürlich.
Vielmehr muss es darum gehen, die Sicherheitsreserven
der Anlagen darauf zu untersuchen, ob Situationen,
wie sie nach Naturkatastrophen und anderen
Ereignissen entstehen können, zum Beispiel der Fall eines
totalen Stromausfalls im Kernkraftwerk, den sogenannten
Station Blackout, den wir auch in Japan erleben
mussten, überstanden werden können, ohne dass Menschen
in diesem Land von radioaktiver Strahlung verletzt
oder getötet werden. Diese Sicherheitsreserven
müssen wir systematisch untersuchen und gegebenenfalls
verbessern.

(Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: In drei Monaten?
Warum haben Sie das letztes Jahr nicht gemacht?)

Wir werden aber auch grundsätzlich einen neuen, ergebnisoffenen
gesellschaftlichen Diskurs über die Frage
führen, welches Risiko wir hier in Deutschland bereit
sind zu tragen. Hier wird die Ethikkommission sicherlich
einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei darf sich die
Diskussion meiner Meinung nach aber nicht nur auf eine
einzige Technologie beschränken; denn es geht um die
Gesundheit und das Leben der Menschen in diesem
Land. Beides kann nicht nur durch die Kernenergienutzung
gefährdet werden. Vielmehr gehen wir in einem Industrieland
wie Deutschland mit vielfältigen Risiken
um. Wir haben allein über 2 000 Industrieanlagen, in denen
mit gefährlichen oder sogar sehr gefährlichen Stoffen
umgegangen wird. Über die Frage, welche Risiken
wir in unserem Land hinnehmen, können wir ehrlich
– nicht isoliert, nur hinsichtlich der Kernenergie – diskutieren.
Außerdem müssen die Fragen, die wir zuletzt bei
der Erarbeitung des Energiekonzepts in den Mittelpunkt
gestellt und beantwortet haben, einbezogen werden.

(Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Das mit dem Energiekonzept ist wohl
erledigt! – Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Sie haben nur ein Atomkonzept gehabt! – Christian Lange [Backnang]
[SPD]: Sie haben überhaupt kein Energiekonzept!
Sie haben ein Atomkonzept, sonst nichts!)

Denn die Fragen sind richtig: Wie können wir sicherstellen,
dass wir auch in Zukunft keine Stromausfälle haben?
Wie können wir die Preise für Energie für die Bürgerinnen
und Bürger und auch für unsere Industrie auch
in Zukunft bezahlbar halten?

(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Mit Atomenergie bestimmt nicht!)

Wie erreichen wir unsere anspruchsvollen Umwelt-
und Klimaschutzziele? Wie finanzieren wir den Umbau
des Energiesystems hin zu mehr erneuerbaren Energien?

(Dorothee Menzner [DIE LINKE]: Lesen Sie
das Gutachten Ihres eigenen Sachverständigenbeirats!)

Wie kommen wir in der Forschung weiter? Wie können
wir den Netzausbau und die Entwicklung von Speichern
voranbringen? Beides brauchen wir, wenn wir aus Sonne
und Wind Strom erzeugen wollen.

(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Schauen Sie doch mal in das grüne
Energiekonzept! Da hätten Sie das längst lesen können!)

Auch auf diese Fragen müssen wir in der anstehenden
Diskussion Antworten geben; denn wir wollen auch in
Zukunft in diesem Land in Sicherheit leben – und das
mit einer hohen Lebensqualität.

(Hans-Josef Fell [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Das geht nur ohne Atom!)

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)

 

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